AKTUELLES

Nach Indienststellung eines Schienenfahrzeugs wird die Phase des Betriebs wiederholt von leichten oder schweren Instandhaltungstätigkeiten begleitet, um dessen Nutzbarkeit zu gewährleisten. Unser Dienstleistungsportfolio umfasst in diesem Bereich neben Fristen- und Hauptuntersuchungen den Retrofit und die Umrüstung von Bestandsfahrzeugen.


Aufgrund einer durchgängig zu beobachtenden Dynamisierung des Eisenbahnsegments nimmt der Anteil kundenindividueller Lösungen stark zu. Dies bedeutet eine Verbreiterung der Projektschwerpunkte auf die Planungs- und Entwicklungsphase eines Instandhaltungsprojekts insbesondere für Teilmodernisierungen und Retrofits.

Bei konventionellen Instandhaltungsarbeiten ist der Freiheitsgrad zur Lösungsfindung durch das bestehende System und die gültigen Instandhaltungsvorgaben in aller Regel begrenzt. Engineeringleistungen in diesem Bereich zielen daher üblicherweise auf die mechanische Wiederherstellung des sicheren Zustands des Fahrzeugs, zum Beispiel durch Ersatzkonstruktionen und -tätigkeiten, ab.


Zunehmendes Interesse erfahren Retrofit- und Umrüstungsvorhaben von Bestandsfahrzeugen als Alternative zur Beschaffung von Neufahrzeugen. Häufig wird der Zeitpunkt einer Hauptuntersuchung als Eingriffspunkt zur Durchführung eines Retrofits gewählt. Dabei wird das Fahrzeug, je nach Modernisierungstiefe, bis auf die Kernstrukturelemente zurückgebaut und ein neuer Aufbau, welcher je nach Umfang den Antriebsstrang, die Steuerung und sonstige Subsysteme wie das Bremssystem umfasst, realisiert. Gesteigertes Interesse erfahren insbesondere low- und zero-Emission-Antriebe, welche sich von hybriden bis hin zu wasserstoffbasierten Lösungen erstrecken.

Bevor die Umsetzung erfolgen kann, nimmt die Lösungsfindung aufgrund der Komplexität dieses Vorhabens eine zentrale Rolle ein. Diese, vorwiegend mechatronisch geprägte Entwicklungsleistung erfolgt unter der Beachtung der Kundenanforderungen, gesetzlicher Verpflichtungen und der funktionalen Sicherheit für die Zulassungsfähigkeit des Fahrzeugs. Das Konzept der modularen Plattform-Lokomotive bietet zahlreiche Vorteile und findet daher zunehmend Berücksichtigung bei der Instandhaltungsentscheidung unserer Kunden.


Expertenmeinung von Felix Möller

(Koordinator Technikum)

"Die Plattform-Lokomotive erlaubt eine zielgerichtete Berücksichtigung des RAMS-Gedanken und bildet den Grundstein für eine erfolgreiche Projektabwicklung."



Reliability – Zuverlässigkeit: Die Standardisierung reduziert Schnittstellen, vereinheitlicht und erlaubt eine nachhaltige Produktoptimierung (z.B. unter Einsatz von datenbasiertem Engineering)

Availability – Verfügbarkeit: Durch den standardisierten Aufbau und definierte Schnittstellen lassen sich Abhängigkeiten der Module untereinander beherrschen. Ein breites Instandhaltungsnetzwerk sorgt für kürzere Stillstandzeiten.

Maintainability – Instandhaltbarkeit: Die Modulbauweise erlaubt unteranderem wegen reduzierter und definierter Schnittstellen eine verbesserte Instandhaltbarkeit, darüber hinaus werden neuartige Instandhaltungskonzepte ermöglicht.

Safety – Sicherheit: Es wird eine zusätzliche Sicherheitsebene in den Realisierungsprozess integriert, weil die Bauweise standardisierte Modultests und -zulassungen erlaubt. Gleichzeitig wird der Zulassungsaufwand beherrscht.

Das beschriebene Engineering wird organisatorisch bei der Fa. Reuschling im Technikum, einem interdisziplinären Team aus Konstrukteuren, Elektro- und Softwareingenieuren abgebildet. Für Sonderfälle, wie z.B. die Erfüllung außergewöhnlicher Kundenanforderungen oder die Bearbeitung spezifischer Zulassungsfragen, werden spezialisierte Fachexperten eingebunden. Neben der Einbindung in die Abwicklung von Instandhaltungsprojekten und Retrofits ist durch die aktive Mitwirkung der Abteilung in Forschungsprojekten, z.B. mit Fokus auf die Integration alternativer Antriebstopologien, sichergestellt, dass künftige Technologien frühzeitig bekannt und vertraut sind und somit für die Erfüllung von Kundenanforderungen eingesetzt werden können.

Am 02.05.2022 konnte die Lokomotive 16 des Typs MaK G763 C nach einem umfangreichen Retrofit durch die Firma Reuschling dem Kunden übergeben werden.


Der Retrofit der dreiachsigen Rangierlokomotive mit einer Maximalgeschwindigkeit von 40 km/h erfolgte nach unserem modularen Plattformkonzept, bei dem durch Standardisierung sowie mechanischer, elektro- und informationstechnischer Kapselung der Fahrzeugfunktionen in eigene Module erhebliche Vorteile hinsichtlich des Betriebes und der Instandhaltung erreicht werden können.


Im Zuge des Retrofits erfolgte daher eine wesentliche Überarbeitung des Lokomotiv-Aufbaus, im Rahmen dessen unter anderem ein emissionsarmer Dieselmotor in den Antriebsstrang integriert, die Bremstafel des Fahrzeugs nach dem Stand der Technik erneuert und eine neue Fahrzeugsteuerung auf dem Fahrzeug integriert wurde. Außerdem verfügt das Fahrzeug über eine neue Funkfernsteuerung sowie modernisierte (grundüberholte) automatische Rangierkupplungen. Abgeschlossen wurde der Retrofit, bei dem auch eine Anpassung der Haubengeometrie erfolgte, durch eine neue Farbgebung des Fahrzeugs.


Weitere Informationen zur Plattform-Lokomotive:

https://www.reuschling.de/post/modulares-plattformkonzept-f%C3%BCr-rangierlokomotiven




Das im Jahr 2019 abgeschlossene Projekt SRI wurde in der Broschüre umwelt.nrw mit dem Thema „Transformative Strukturpolitik in Nordrhein-Westfalen“ als besonders umweltrelevantes EFRE-Projekt dargestellt.


Um die Umwelt zu schützen, müssen Unternehmen nachhaltiger werden. Die Umsetzung dieses Ziels fordert uns insbesondere im Hinblick auf den technischen und wirtschaftlichen Fortschritt immer wieder heraus. Die Westfälische Lokomotiv-Fabrik Reuschling GmbH & Co. KG hat sich zum Ziel gesetzt, in den kommenden Jahren nachhaltiger zu werden und ihren ökologischen Fußabdruck zu minimieren. Als Projektpartner Teil des o.g. Projekts gewesen zu sein, ist dafür ein wichtiges Signal und einer von vielen weiteren Schritten in diese Richtung.


Den Auszug aus der EFRE-Broschüre des MULNV können Sie hier lesen:

2022-04_SRI in Broschüre umwelt.nrw
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