Modulares Plattformkonzept für Rangierlokomotiven

Fahrzeuge des Schienengüterverkehrs sind langlebig und enorm variantenreich. Diese Tatsache trifft insbesondere auf Rangierlokomotiven zu. Im Markt befindliche Rangierlokomotiven verfügen über eine verwobene und schnittstellenreiche Architektur, welche oftmals nicht dem Stand der Technik entspricht. Dem gegenüber steht die Diskussion um Kosteneffizienz und Nachhaltigkeit. Für Betreiber stellt die teilweise oder komplette Modernisierung eines Fahrzeugs einen Eingriffspunkt zur Verlängerung der Nutzungsdauer dar. Hierzu hat Reuschling eine modulare Fahrzeugplattform für die effiziente Modernisierung von Bestandfahrzeugen entwickelt, welche im Folgenden dargestellt wird.


Modularität als Enabler

Verwobene und heterogene Fahrzeugarchitekturen stellen eine wesentliche Herausforderung bei der Modernisierungsentscheidung für Bestandsfahrzeuge dar. Die offene Fahrzeugplattform sieht die Schaffung einer technologischen Basis vor, um Bestandsfahrzeuge nach einer standardisierten Vorgehensweise zu modernisieren und somit wesentliche Probleme derzeitiger heterogener Fahrzeugbestände zu beheben.

Grundlage des Plattformprinzips stellt die Kapselung von Funktionen und daran beteiligten Komponenten sowie Baugruppen in standardisierten Modulen dar, welche mechanische, elektronische und informationstechnisch definierte Schnittstellen besitzen. Folglich kann bei Modernisierungen auf existierende Standards zurückgegriffen werden, wodurch die Variantenvielfalt gesenkt wird. Kundenspezifische Anforderungen und technische Neuerungen werden dann innerhalb der Module umgesetzt, wodurch ein sicheres Fahrzeug nach dem aktuellen Stand der Technik gewährleistet werden kann.


Realisierung und Vorteile der Plattformlokomotive

Die Westfälische Lokomotiv-Fabrik Reuschling wendet die modulare Fahrzeugplattform zur Modernisierung dieselhydraulischer Rangierfahrzeuge regelmäßig an. Die Fahrzeugarchitektur auf Basis des plattformbasierten Baukastenprinzips bringt vielerlei Vorteile mit sich.


Modernisierung

Durch den Rückgriff auf Standards wird der Betreiber eines Fahrzeugs bei einer Modernisierungsentscheidung, z.B. bezüglich der Steuerungs- oder Antriebskomponenten, unterstützt, da der Konfigurationsprozess vereinfacht und transparent wird. Der Einsatz der Standards verringert den Entwicklungsaufwand in der Planungsphase und erlaubt somit die Aktivierung von Skaleneffekten, von welchen der Kunden profitiert. Des Weiteren werden Risiken verringert, weil sich die Standards ebenfalls auf die funktionale Sicherheit und deren Nachweis auswirken, wodurch die Zulassungssicherheit erhöht wird.


Instandhaltbarkeit

Die schnittstellenarme und -optimierte Gestaltung der Module erhöht die Instandhaltbarkeit und Austauschbarkeit enorm. Durch die Modulbauweise und bessere Zugänglichkeit können Zeiten für Fehlersuchen deutlich reduziert werden. Im Extremfall können identische Module getauscht werden. Als Resultat werden Stillstände und Kosten reduziert, weil Demontagetätigkeiten und Wartezeiten auf Dienstleistungen oder Komponenten reduziert werden und die Einsatzfähigkeit schneller wiederhergestellt werden kann. Insgesamt können so Lebenszykluskosten in der Phase der Realisierung, aber insbesondere während der Nutzung und Instandhaltung konsequent gesenkt werden.


Digitalisierung

Da Rangierfahrzeuge zunehmend in die IT-Infrastruktur des Betreibers eingebunden werden, benötigen die Fahrzeuge eine geeignete Infrastruktur und Konnektivität. Hierzu wird auf dem Fahrzeug eine dezentrale Steuerungsperepherie realisiert, welche eine flexible Datenerzeugung, eine durchgängige Datenstruktur und die Übermittlung an die Landseite durch unser IoT-System J.I.M. (www.jim-reuschling.de) erlaubt.


Nachhaltigkeit

Die Modularität erlaubt es, Antriebsstränge deutlich flexibler zu betrachten als bisher. Auf diese Weise wird Raum für Remotorisierungen nach aktuellem Stand der Technik (z.B. mit emissionsarmen Dieselmotoren und Gensets) als auch für kommende Topologien, welche auf den emissionsfreien Betrieb anvisieren geschaffen.


Fazit

Bisher wurde und wird das beschriebene Konzept zur Modularisierung des Fahrzeugaufbaus für Rangierlokomotiven für den Einsatz auf EBO- und BoA-Gleisen realisiert. Auch finden teilweise Modularisierungen von Fahrzeugarchitekturen, z.B. bei reinen Remotorisierungen, regelmäßig Anwendung. Nachfolgende Übersicht verschafft Ihnen Eindrücke von der Lokomotivplattform.


Weiterführende Informationen zur Plattformlokomotive und der Modularisierung können Sie unserem Beitrag im Internationalen Verkehrswesen entnehmen.

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